Der Humanismus im Kontext alternativer Begründungsmodelle des Gymnasiums

  • Thomas Kellner (Autor/in)

Abstract

In einem knappen historischen Überblick soll gezeigt werden, dass sich die Existenz unterschiedlicher Humanismuskonzeptionen aus der Einwirkung vieler ideengeschichtlicher Faktoren erklärt. So stehen humanistische Ansätze in permanenter Wechselwirkung mit realistischem, christlichem, historistisch-hermeneutischem und nationalem bzw. europäischem Gedankengut.

Außerdem macht die historische Analyse deutlich, wie stark der Humanismus schon die neuzeitliche Schulgeschichte bis ins 18. Jahrhundert und besonders die deutsche Gymnasialgeschichte seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mitprägte. Dennoch setzte schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts eine teilweise massive moralisch, wissenschaftsmethodisch und grundsätzlich weltanschaulich motivierte Humanismuskritik ein. Diese Vorbehalte gegen den Humanismus wurden im Rahmen der wissenschaftlichen Pädagogik von dialektisch-theologischer, existentialistischer Seite und verstärkt ab Mitte der 60er Jahre von den Vertretern der sog. „Realistischen Wende“ vorgetragen. Gegenwärtig wird angesichts der unangefochtenen Dominanz realistisch-pragmatischer bildungstheoretischer Konzepte der Humanismus in der (gymnasial)pädagogischen Diskussion weniger argumentativ bekämpft, denn angesichts seines zunehmenden gesellschaftlichen Bedeutungsverlusts stillschweigend marginalisiert.

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Veröffentlicht
2017-03-06
Sprache
de