Das Image der Nomaden im Alten Israel und in der Ikonographie seiner sesshaften Nachbarn

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/60503
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-605036
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-1926
Dokumentart: Buch
Erscheinungsdatum: 1991
Originalveröffentlichung: V.IRAT III-STA 1991 (Image)
Sprache: Deutsch
Fakultät: 1 Evangelisch-Theologische Fakultät
Fachbereich: Evangelische Theologie
DDC-Klassifikation: 220 - Bibel
Schlagworte: Altes Testament , Palästina , Israel , Nomade , Ägypten
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die Soziologie, die Anthropologie und neuerdings auch die Ethnoarchäologie beschäftigen sich immer häufiger mit nicht-sesshaften Bevölkerungsgruppen im Alten Orient. Dabei stehen alte Texte, Survey-Daten und ethnologisches Vergleichsmaterial als Arbeitsgrundlagen im Vordergrund. In der vorliegenden Arbeit werden die oft vernachlässigten altorientalischen Bilddokumente ausgewertet, welche - meistens aus der Perspektive der Sesshaften - nomadische Gruppen abbilden. Diese Bilddokumente werden in einem ersten Teil nach Grossregionen erfasst und in ihren geopolitischen Kontext gestellt. In Ägypten gibt es eine gewisse Tradition der Zusammenarbeit mit Nomaden als Viehzüchtern, Erzschürfern oder Reiseleitern im Ausland und der Aufnahme solcher Gruppen in Hungerzeiten . In den Zeiten ägyptischer Dominanz in Vorderasien herrscht jedoch das Bild der barbarischen Feindesmasse vor, und Nomaden werden nur noch als Söldner integriert. In Mesopotamien führen die di- und polymorphen Zonen des Landes zu vielgestaltigen Interaktionen und besonders unter assyrischer Vorherrschaft zu einer Situation des «permanenten Krieges», welche auf grossen Palastreliefs ihren Niederschlag finden. Während Nomaden in diesen Zentren der sesshaften Kultur mehrheitlich als Negativfolie für die Propaganda der eigenen Lebensart missbraucht werden, fliessen in den Randregionen Syriens und Palästinas auch positive Elemente in die Kunst ein, besonders im Motiv des auf einem Esel reitenden Fürsten, in Palmyra auch in Gestalt nomadischer Sitten und Gebräuche. Der zweite Tei I, der sich mit nomadischen Zeichen und Strukturen, aber auch grösseren, für das Nomaden-Image aufschlussreichen Texteinheiten im Alten Testament beschäftigt, macht deutlich, dass in Altisrael selber distanzierte und intime Betrachtungen des Nomadentums möglich waren. Verantwortlich dafür war die äusserst polymorphe Struktur des Landes. Am Rande einer vorwiegend bäuerlichen Kultur mit wenigen kleinen, städtischen Zentren waren immer Nomaden präsent, die in Zeiten kultureller Dekadenz als Usurpatoren verlassener Landstriche an Bedeutung gewannen. Das Nomadentum als Lebensideal gab es nicht. Der Einfluss seiner akephalen Sippenstruktur war jedoch in vielen Lebensbereichen bestimmend. Man fühlte sich mit nomadisierenden Stämmen der Nachbarschaft verwandt, betrachtete andererseits aber eindringende Gruppen als Feinde. Das Image der Nomaden erweistsich somit als sehrviel facettenreicher als das bei uns noch vorherrschende Klischee umherziehender Hirten. Die daraus für uns resultierenden terminologischen Unsicherheiten werden durch ikonographische Anschaulichkeit kompensiert. Die nomadische Lebensweise wird zudem durch die Deutung des Bildmaterials aus dem Dunkel der Geschichtslosigkeit herausgerissen. Wie sich besonders anhand der Kameldomestizierung und des Zeltbaus zeigen lässt, hat das Nomadentum für den ganzen Orient bedeutsame Entwicklungen vorzuweisen.

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