Familienbeziehungen, Selbstkongruenz und Identifikationsmuster von brasilianischen Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung im Behandlungsverlauf: Perspektive des Kindes und der Eltern

DSpace Repositorium (Manakin basiert)


Dateien:

Zitierfähiger Link (URI): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-35375
http://hdl.handle.net/10900/49207
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2008
Sprache: Deutsch
Fakultät: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Fachbereich: Psychologie
Gutachter: Hautzinger, Martin (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2008-07-16
DDC-Klassifikation: 150 - Psychologie
Schlagworte: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom , Familienbeziehung , Identifikation , Selbstkongruenz , Behandlung
Freie Schlagwörter:
Attention deficit/hyperactivity disorder , Familiy relations , Identification patterns , Self-congruency , Process of treatment
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
Gedruckte Kopie bestellen: Print-on-Demand
Zur Langanzeige

Inhaltszusammenfassung:

Vorangegangene Studien über die Familienbeziehungen und das Selbstkonzept von Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) berichten von einer verminderten Beziehungsqualität und einem negativen Selbstkonzept. Die Untersuchungen zu den Familienbeziehungen konzentrierten sich jedoch bislang meist auf die Perspektive der Eltern und ihre Sicht auf die Familie. Zudem wurde der Großteil der Studien in Nordamerika oder Europa durchgeführt. Demzufolge war das Ziel der vorliegenden Studie die Familienbeziehungen in einem anderen Kulturkreis und aus Sicht des Kindes mit ADHS sowie seiner Eltern zu untersuchen. Die Familienbeziehungen wurden anhand der Dimensionen Kohäsion, Hierarchie, Negativität, wie auch der intrafamiliären Identifikationsmuster untersucht. Darüber hinaus wurde auf der individuellen Ebene die Selbstkongruenz der Kinder mit ADHS erhoben. Die Studie wurde in Porto Alegre, Brasilien, durchgeführt, wo Familien von Kindern mit ADHS und von Kindern ohne eine psychische Störung hinsichtlich dieser Variablen miteinander verglichen wurden. Weiterhin wurden Selbstkonzept und Familienbeziehungen im Therapieverlauf von Kindern mit ADHS in medikamentöser oder in kombinierter medikamentöser und verhaltenstherapeutischer Behandlung untersucht. An der Querschnittuntersuchung nahmen 33 Kinder mit ADHS und 21 Kontrollprobanden jeweils mit ihren Müttern (n=33, n=21) und Vätern (n=14, n=9) teil. Die Stichprobe der Längsschnittuntersuchung setzt sich aus 27 Kindern mit ADHS in medikamentöser Behandlung, 22 Kindern mit ADHS in kombinierter Behandlung und 27 Kindern ohne psychiatrische Erkrankung jeweils mit ihren Müttern (n=27, n=19, n=27) zusammen. Als Erhebungsinstrumente wurden der Familiensystemtest (FAST), das Familiogramm (FG) und der Familienidentifikationstest (FIT) eingesetzt. Bei den Ergebnissen zum Perspektivenvergleich zeigte sich eine unterschiedliche Darstellung der Familienbeziehungen durch die Kinder, Mütter und Väter. Beim Vergleich der Familien mit und ohne Kinder mit ADHS wurden Unterschiede in der familiären Kohäsion, Hierarchie und Negativität festgestellt, die vor allem auf eine belastete Mutter-Kind-Beziehung in den Familien mit ADHS hinweisen. Weiterhin bestehen zwischen beiden Stichproben Unterschiede in der intrafamiliären Identifikation, die auf eine geringere familiäre Integration von Kindern mit ADHS deuten. Darüber hinaus zeigten die Kinder mit ADHS eine geringere Selbstkongruenz. Im Behandlungsverlauf wurden in beiden Behandlungsgruppen Veränderungen in den Familienbeziehungen beobachtet, im Sinne einer Zunahme der Kohäsion und Mutter-Kind-Hierarchie und einer Abnahme der Negativität. Die Kinder mit ADHS in kombinierter Behandlung beschrieben zudem eine positive Veränderung des Selbstkonzeptes. Diese Ergebnisse stimmen mit Befunden aus Nordamerika und Europa überein und belegen, dass die Familienbeziehungen von brasilianischen Kindern mit ADHS belastet sind und bei der Behandlung entsprechend berücksichtigt werden sollten. Weiterhin, zeigt sich, dass durch den Einbezug der Perspektive des Kindes relevante Informationen gewonnen werden können, und dass die Kinder mit ADHS in der Lage sind, die Familienbeziehungen, andere Familienmitglieder und sich selbst differenziert zu beschreiben, wenn kindgerechte Instrumente eingesetzt werden.

Abstract:

Previous studies about family relations and the self-concept of children with an attention deficit/hyperactivity disorder (ADHD) report a decreased quality of relationships and a negative self-concept. Most of these studies focused on parents’ perspective about the family and were conducted in North-America and Europe. Thus, the aim of the present study is to investigate family relations in ADHD in another cultural context and, at the same time, to take into account both the perception of the child and of his parents. Family relations were assessed through the dimensions of cohesion, hierarchy, negativity and identification with family members. Additionally, the self-congruency of the child with ADHD was analysed. The study was conducted in Porto Alegre, Brazil, where families of children with ADHD and families with children not affected by a mental disorder were compared cross-sectionally. Furthermore, the self-concept of children with ADHD and the family relations were investigated during the process of treatment longitudinally under two conditions. In the first, the children were receiving pharmacological treatment only, and in the second a combination of pharmacological treatment and cognitive-behaviour therapy (CBT). 33 children with ADHD and 21 controls with their mothers (n=33; n=21) and fathers (n=14; n=9, respectively) participated in the cross-sectional study. The sample of the longitudinal study consists of 27 children with ADHD in pharmacological treatment, 22 children with ADHD in combined treatment and 27 children without mental disorder and their mothers (n=27; n=19; n=27). The instruments used were the Family System Test (FAST), the Familiogramm (FG) and the Family Identification Test (FIT). Results indicated that children, mothers and fathers represent family relations differently. Families of children with and without ADHD differed in family cohesion, hierarchy and negativity showing especially a more impaired mother-child-relationship in children with ADHD. Furthermore both samples differed as well with respect to identification patterns, indicating that the child with ADHD feels less integrated in the family. Moreover, children with ADHD showed an inferior self-congruency. During the treatment process both treatment groups revealed changes in family relations, showing increases in cohesion and mother-child hierarchy and a decrease in negativity. Additionally, children with ADHD in combined treatment described a positive change in their self-concept. These results are consistent with findings of North-America and Europe and indicate that family relations are affected by ADHD and subsequently should be considered in treatment. Furthermore the study gives evidence that relevant information can be gained through the inclusion of children’s perspective and that children with ADHD are capable of describing family relations, other family members and themselves in a differentiated way when child adequate instruments are used.

Das Dokument erscheint in: