Trance-Induktion mit Musik und Visualisierungen im MRT : Einfluss der Absorptionsfähigkeit

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2009

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Trance ist ein veränderter Bewusstseinszustand. Die besonderen Merkmale der Trance bestehen in einer stark fokussierten Aufmerksamkeit und einer reduzierten Selbstkontrolle. Solche Zustände können unter anderem durch Musik und computergenerierte Visualisierungen hervorgerufen werden. Allerdings unterscheiden sich Menschen bezüglich ihrer Ansprechbarkeit auf eine Trance-Induktion. Diese Ansprechbarkeit kann durch die Persönlichkeitseigenschaft der Absorptionsfähigkeit vorhergesagt werden.Um das Auftreten veränderter Bewusstseinszustände zu erklären, wird eine transiente Hypofrontalität diskutiert. Durch die vorübergehende Deaktivierung im präfrontalen Kortex verändert sich die Verarbeitung und Integration der Informationen aus den verschiedenen neuronalen Subsystemen. Diese Verschiebung manifestiert sich in einer Veränderung des Bewusstseins. Weiter kann angenommen werden, dass unterschiedliches Erleben während einer Trance-Induktion sich auch in unterschiedlicher neuronaler Aktivität niederschlägt. Befunde weisen darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen der Absorptionsfähigkeit und Aufmerksamkeitsprozessen besteht. Menschen mit hoher Absorptionsfähigkeit weisen eine effizientere exekutive Kontrolle, im Sinne von Posners Aufmerksamkeitsmodell, auf. Dies bedeutet, dass sie in der Lage sind, sich auf ein Objekt zu fokussieren und Störreize besser auszublenden. Nach Posners Modell muss sich dies in einer stärkeren Aktivierung des anterioren cingulären Kortex niederschlagen. Ebenso weisen Personen mit hoher Absorptionsfähigkeit ein intensiveres emotionales Erleben auf. Auch hier wird eine stärkere Aktivierung der an der Emotionsverarbeitung beteiligten Strukturen erwartet. Dies sind hauptsächlich die Amygdala und der insuläre Kortex.Um diese Hypothesen zu prüfen, wurde eine fMRT-Studie durchgeführt, an der 30 Personen teilnahmen. Die Hälfte der Probanden hatte in einer Vorstudie auf die Stimulation mit Musik und Visualisierungen angesprochen und Trancezustände erlebt. Die übrigen Probanden sprachen nicht auf die Stimulation an. Zur Erhebung der Absorptionsfähigkeit wurde die Tellegen Absorption Scale (TAS) verwendet. Der Bewusstseinszustand wurde über ein weiteres Fragebogeninstrument, den Phenomenology of Consciousness Inventory (PCI) erhoben. Diesem Fragebogen liegt das dimensionale Bewusstseinskonzept von Tart zugrunde. Für definierte Situationen wird der Bewusstseinszustand anhand von Erlebnisdimensionen beschrieben. Aus den Dimensionen kann mittels einer Prädiktionsgleichung der predicted Harvard Group Scale (pHGS) Wert berechnet werden. Dieser Wert gibt die Tiefe einer hypnotischen Trance an und kann als Trancetiefeindex aufgefasst werden. Außerdem wurde die Absorptionstiefe während der Trance-Induktion über eine Verlaufszeichnung erhoben. Die Probanden nahmen an einer 18 Minuten dauernden fMRT-Messung teil. Für jeweils drei Minuten zu Beginn und am Ende wurde ihnen ein Fixationskreuz präsentiert. Während der zwölf Minuten dazwischen erfolgte eine Trance-Induktion mit Musik und Visualisierungen. Zur Datenanalyse wurde das Softwarepaket SPM 2 verwendet.Die Trancetiefewerte der Induktion korrelierten mit der Absorptionsfähigkeit (r=0,418, p<0,013). Die Ausprägungen auf den Erlebnisdimensionen des PCI zeigen, dass der induzierte Zustand die Merkmale von Trance aufweist. Die pHGS-Werte belegen, dass die Hälfte der Probanden Trancezustände erlebt hat. Mit den Absorptionstiefeverläufen wurden die funktionellen Daten ausgewertet. Eine parametrische Modulation konnte eine Deaktivierung mit zunehmender Absorptionstiefe in weiten Teilen des präfrontalen Kortex nachweisen. Ebenso wurde eine positive Korrelation zwischen den Trancetiefewerten und der Hirnaktivierung im rechten anterioren cingulären und im rechten insulären Kortex gefunden. Damit wurden neuronale Aktivierungsunterschiede im exekutiven Kontrollsystem und im Emotionssystem in Abhängigkeit vom Erleben nachgewiesen.Insgesamt ist festzuhalten, dass Musik und Visualisierungen eine Induktionsmethode darstellen, die auch während einer funktionalen Messung im MRT verwendet werden kann. Die Hypofrontalitätshypothese wurde in dieser Studie erstmalig direkt überprüft und konnte bestätigt werden. Mit der Absorptionsfähigkeit ist ein Konstrukt gefunden, das Tranceerleben vorhersagt. Wie aus den Befunden zur Absorptionsfähigkeit hergeleitet, konnten erlebensabhängige Aktivierungsunterschiede im exekutiven Kontrollsystem der Aufmerksamkeit und im Emotionssystem nachgewiesen werden.


Trance is an altered state of consciousness. Its specific characteristics are a strong focusing of attention and reduced self-control. Such states can be evoked by music and computer generated visualisations. However, it has to be considered that people differ regarding their responsiveness toward a trance-induction. This responsiveness can be predicted by the trait of absorption.To explain the appearance of an altered state of consciousness a transient hypofrontality has been discussed. The temporarily deactivation of the prefrontal cortex modifies the processing and integration of information coming from different neural subsystems. This shift in information processing manifests in an alteration of the state of consciousness. Further it can be expected that different experiences during a trance-induction are accompanied by a different neural activity. Findings suggest a correlation between the trait of absorption and attentional processes. High absorbers show a more efficient executive control in the sense of Posners model of attentional networks. This means that they are able to focus their attention on an object and suppress disturbing stimuli. Following Posner, this faculty involves higher activation of the anterior cingulated cortex. In addition, high absorbers are experiencing emotions more intense. So a higher activation can be expected in the involved emotional systems of the brain. These are mainly the amygdale and the insula.To test these hypotheses an fMRI study was conducted. 30 persons participated in this study. In a preceding study, half of the subjects had responded to the stimulation with music and visualisations and experienced trance-states. The remaining subjects had not responded to the stimulation. To access absorption the Tellegen Absorption Scale (TAS) was used. The state of consciousness was measured with another questionnaire instrument the Phenomenology of Consciousness Inventory (PCI). This questionnaire is based on the dimensional concept of consciousness by Tart. For defined situations the state of consciousness can be mapped along different dimensions of experience. Using a prediction equation the predicted Harvard Group Scale (pHGS) score can be calculated. This score predicts the depth of a hypnotic state and can be used as trance-depth index. Furthermore, absorption depth during the trance-induction was accessed by a drawing of the time course. Subjects participated in an eighteen minute fMRI measurement. For three minutes in the beginning and at the end of the measure a fixation cross was presented. During the twelve minutes in between the trance-induction by music and visualisations was carried out. SPM 2 software was used for data-analysis.The trance-depth index of the induction correlated with the trait of absorption (r=0.418, p<0.013). The values on the PCI-dimensions for the induced state of consciousness showed the characteristics of trance. The pHGS-scores documented that half of the subjects experienced trance. The time course of absorption depth was used to analyse the functional data. Along with increasing absorption depth a parametric modulation showed a deactivation in large parts of the prefrontal cortex. Furthermore, a correlation between the pHGS-scores and the activation in the right anterior cingulate cortex and the right insula was found. So differences in the neural activity in the executive control system and the emotional system were detected depending on the experience.Concluding we can assert that music and visualisations can be employed as a method to induce trance even during functional MRI measurements. The hypofrontality hypothesis has been tested directly and could be accepted for the first time. With the trait of absorption a construct is available that predicts the experience of trance. In agreement with findings on absorption experiences differences in the neural activity of the executive control system of attention and of the emotional system were detected.

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